Nahrungsergänzungspräparate

Einleitung:

Nicht immer scheint es möglich, die Ernährungsbedürfnisse in besonderen Situationen allein durch die dargestellte gesunde oder eine vollwertige Ernährung zu decken. Gerade in bestimmten Leistungssportarten kann der große Bedarf an Energie und Nährstoffen dem Sportler ernsthafte Schwierigkeiten bereiten. Insbesondere die Ausdauersportarten, die täglich über mehrere Stunden und das für einige Tage ausgeführt werden, werfen zudem regelrechte technische Probleme der Nahrungszufuhr auf.

Einsatzbereiche Nahrungsergänzungspräparate:

Prinzipiell ergeben sich zwei Einsatzbereiche für Nahrungsergänzungspräprate. Der erste kennzeichnet sich durch eine Mangelsituation. Unter bestimmten Umständen, wie etwa in der Schwangerschaft oder bei exzessiven körperlichen Belastungen, werden konkrete Einzelnährstoffe oder Vitalstoffe verabreicht, nachdem ein Mangel an diesen speziellen Stoffen festgestellt wurde. Der zweite Einsatzbereich ist die vorsorgliche Einnahme von einzelnen Nähr- oder Vitalstoffen oder von Kombinationspräparaten.
Um den Sinn der Verabreichung spezieller Nährstoffpräparate (Nahrungsergänzungspräparate) zu beurteilen, stellt sich die Frage, ob ein Mangel nicht auch durch Verändenungen in der Zusammenstellung der täglich konsumieren Nahmngsmittel beseitigt werden kann. Grundsätzlich gilt, daß eine zusätzliche Gabe von Vitaminen oder Mineralstoffen keinen sportlichen Sieger hervorbringt. Zwar versucht die Werbung für solche Präparate uns davon zu überzeugen, daß ein Überschuß eines bestimmten Vitalstolfes einen besonders positiven Effekt auf unsere Leistung hat. doch wird die Leistung durch Gabe irgendeines Stoffes nur dann positiv beeinflußt, wenn dieser Stoff vorher nicht in ausreichender Menge im war. Die Schlußfolgerung, daß die Symptome, die der Mangel eines bestimmten Stoffes am Körper auslöst, wie zum Beispiel Müdigkeit bei einem Mangel an Vitamin E, durch eine besonders hohe Konzentration dieses Stoffes in ihr Gegenteil verkehrt werden können, stellt sich als logischer Trugschluß heraus, denn, um beim Beispiel zu bleiben, ein Überschuß an Vitamin E kann nicht besonders munter machen.

Einzelstoffe:

Werden Einzelstoffe ergänzt, wie beispielsweise einzelne Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente oder Mineralstoffe, kann dadurch die Aufnahme essentieller Nahrungsbestandteile aus den folgenden Mahlzeiten behindert und dadurch die sinnvolle Verwertung im Körper beeinträchtigt werden. So hat zum Beispiel die essentielle Aminosäure Tryptophan, isoliert in Form eines Medikamentes gegeben, eine ermüdende Wirkung. lm Verbund mit den übrigen essentiellen Aminosäuren, etwa in einer fleischhaltigen Mahlzeit, macht sich dieser Effekt jedoch nicht bemerkbar. Der Grund dafür ist, daß das Tryptophan, um seine beruhigende und ermüdende Funktion entfalten zu können, durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn eintreten muß. Hier dient es als Vorstufe des Serotonins. Dieses Serotonin ist ein chemischer Botenstoff, der für eine entspannte Stimmung sorgt und das Schmerzempfinden reduziert. Aber nicht nur das Tryptophan versucht durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn zu gelangen, sondern auch andere Aminosäuren, die keinen vergleichbaren biochemischen Effekt auslösen. Solange die Aminosäuren gemeinsam in einem Nahrungsmittel aufgenommen werden, ist die Konzentration zueinander so ausgeglichen, daß immer nur vergleichsweise geringe Mengen des Tryptophans im Gehirn zu Serotonin umgewandelt werden können. isoliert als Medikament gegeben, fehlen dem Tryptophan die Konkurrenten, wenn es um den Einlaß ins Gehirn durch die Blut-Hirn-Schranke geht, so daß sich ein regelrechter pharmakologischer Effekt durch die Aufnahme eines einzelnen essentiellen Nahrungsbestandteiles ergeben kann. Von einer pharmakologischen Wirkung spricht man, wenn eine andere Reaktion in Gang gesetzt wird, als ursprünglich beabsichtigt.

Hausmittel bei Einschlafstörungen:

Ein altbewährtes Hausmittel bei Einschlafstörungen, die heiße Milch mit Honig, macht sich den Effekt zunutze, daß die Bauchspercheldrüse als unmittelbare Antwort auf den Verzehr kurzkettiger Zucker Insulin ausschüttet. Dieses Insulin ermöglicht dabei jedoch nicht nur dem Blutzucker den Eintritt in die Zelle, sondern auch den lang- und verzweigtkettigen neutralen Aminosäuren, die um den Eintritt ins Gehirn durch die Blut-Hirn-Schranke konkurrieren. Je mehr dieserKonkurrenten« des Tryptophan aus dem Weg geräumt werden, um so mehr Serotonin kann dadurch im Gehirn aus dem Tryptophan gebildet werden. Da die Milch von Natur aus einen hohen Tryptophangehalt hat und der Honig Einfach- und Zweifachzucker in hoher Konzentration enthält, läßt sich der beruhigende und einschläfernde Wirkungsmechanismus dieses Hausmittels also durchaus biochemisch begründen.

Auch der Süßhunger bei kohlenhydratarmen Diäten lässt sich mit diesem Wirkungsmechanismus erklären. Durch den fehlenden Zucker wird wenig Insulin ins Blut abgegeben. Dadurch werden die »Tryptophankonkurrenten« nicht so stark in die Zellen eingelagert und stehen in höherem Maße als Konkurrenten an der Blut-Hirn- Schranke zur Verfügung. Relativ gesehen ist die Konzentration an Tryptophan also geringer. Das bedeutet, daß im Gehirn mangels Tryptophan Weniger Serotonin gebildet werden kann. Ein solcher Serotoninmangel äußert sich durch eine depressive Stimmungslage, die das Hungergefühl auf Zucker extrem erhöht. Nach einer zuckerhaltigen Mahlzeit verbessert sich die Stimmungslage dann deutlich, was natürlich neben dem biochemischen Effekt auch einen psychologischen auslost: Wenn ich Süßes esse, fühle ich mich besser.
Da die biochemischen Auswirkungen der verschiedenen lebensnotwendigen Nahrungsfaktoren selbst in der heutigen Zeit nur bruchstückweise bekannt sind und eine Vielzahl von Verkettungen und Verzahnungen der biochemischen Prozesse bestehtist eine Gabe von isolierten Einzelnährstoffen zum Zwecke der sportlichen Leistungssteigerung nicht zu empfehlen, es sei denn, sie werden gezielt nach einer intensiven Ausdauersportart zugeführt. Lediglich im Wettkampforientierten Ausdauerleistungssport erscheint eine Energie- und Flüssigkeitsergänzung nach heutigen Erkenntnissen sinnvoll zu sein. Insbesondere während eines mehrstündigen Ausdauerwettkampfes ist das Auffüllen der Zuckerspeistündigen Ausdauerwettkampfes ist das Auffüllen der Zuckerspeicher in der Muskulatur sowie die Flüssigkeits- und Mineralstoversorgung mit Hilfe von natürlichen Nahrungsergänzungspräparate kaum mit der Effizienz möglich, wie dies durch spezielle Konzentrate der Fall ist. Hier handelt es sich zum einen um Kohlenhydratkombinate, die Zucker in unterschiedlichen Kettenlängen enthalten, Wodurch eine zeitlich versetzte Resorption und damit ein gleichmäßiger Blutzuckeranstieg gewährleistet wird. Diese in der Regel flüssigen Kohlenhydratkonzentrate können sowohl vor, als auch wahrend mehrstündiger Ausdauerbelastung einem Leistungsabfall vorbeugen. Zum anderen kann die Flüssigkeits- und Mineralstoffversorgung durch Verwendung von isotonischen Getränken unterstützt werden.
Die Hoffnung, durch spezielle Nahrungsergänzungspräparate ein besonderes Leistungsplus zu erzielen, ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht zu begründen, erst recht nicht, wenn der Sportler durch eine ausgewogene, vollwertige Ernährung im Alltag mit allen essentiellen Nahrungsfaktoren ausreichend versorgt ist. Der Glaube, daß der Überschuß eines bestimmten Nährstoffes das Mangelsymptom dieses Stoffes in sein Gegenteil verkehrt, ist nicht begründet. Grundsätzlich kann die Ergänzung mit einem bestimmten Nährstoff nur da Vorteile bringen, wo zuvor ein Mangel an diesem Nährstoff bestanden hat. Ein solcher Mangel ist durch eine ausgewogene Ernährung jedoch von vorn herein vermeidbar.